
Château de Martragny: die Geschichte eines Campingplatzes mit Charakter im Herzen des Bessin
Ein familiengeführter Campingplatz, fest verwurzelt in der normannischen Landschaft
Der Campingplatz von Martragny ist eng mit der Landschaft des Bessin verbunden. Es gibt hier keine Mobilheime oder Chalets. Stattdessen bleibt das Anwesen bewusst ein traditioneller Campingplatz, der dem ursprünglichen Geist des Campings treu ist. Die großzügigen Stellplätze sind harmonisch in eine geschützte Umgebung eingebettet, geprägt von Wiesenflächen, Obstgärten, Bocage-Hecken und Trockensteinmauern.
Ruhe und Gelassenheit bestimmen den Aufenthalt. Gäste kommen nach Martragny, um neue Energie zu tanken, Zeit mit der Familie zu verbringen, im Park zu spazieren oder einfach die Natur zu genießen. Ein Tennisplatz, der Swimmingpool sowie Verkostungen von Pommeau und Calvados auf der Terrasse der Bar – mit Blick auf die quadratisch angelegten Wirtschaftsgebäude, typisch für die Architektur des Bessin – unterstreichen die entspannte Atmosphäre.
Ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert und eine zeitlose Lebensart
Das Schloss wurde 1747 vom Marquis de Grangues erbaut. Im Alter von nur 21 Jahren hatte er ein stark verfallenes Gebäude geerbt und entschied sich, es vollständig neu aufzubauen. Aus dieser Epoche stammt eine bestimmte Vorstellung von Glück: ein elegantes, aber schlichtes Anwesen, offen zur Natur und dem Wohlbefinden gewidmet.
Im Inneren verleihen historische Kamine, Familienmöbel und ausgewählte Antiquitäten dem Schloss einen nostalgischen und zeitlosen Charme. Nichts wirkt prunkvoll oder überladen – vielmehr spiegelt alles die Zurückhaltung und Authentizität des Bessin wider.
Der über zweihundert Jahre alte Park ist reich bepflanzt und von Blumen durchzogen. Ein Wasserbecken spiegelt zu bestimmten Tageszeiten die Linien des Schlosses wider und lädt zu stillen Spaziergängen, Gesprächen und Momenten der Kontemplation ein.

Revolution und frühe Freiheitsideen
Zur Zeit der Französischen Revolution war das Schloss im Besitz der aristokratischen Familie de Cyresme. Ein greifbares Zeugnis dieser Epoche wurde im Frühjahr 1991 entdeckt: Beim Bau der neuen Bar kam eine Holztafel mit der Aufschrift „de Cyresme“ zum Vorschein, die heute im großen Eingangsbereich des Schlosses ausgestellt ist.
Auch die Glocke an der Fassade des Schlosses stammt aus dieser Zeit. In ihrem Inneren ist folgende Inschrift zu lesen:
„Ich wurde der Kolibri genannt von Herrn de Cyresme, Herr über keinen Ort, aber Bürger der Welt.“
Eine bemerkenswert moderne Aussage, die einen philosophischen Freiheitsgedanken erkennen lässt, der die Revolution bereits erahnen ließ.
Vom Schloss zum Bauernhof: das 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wechselte das Anwesen erneut den Besitzer. Die Familie de Mons übernahm das Schloss und wandelte es in einen landwirtschaftlichen Betrieb um. Es diente gleichzeitig als Wohnhaus, Getreidespeicher und sogar als Erweiterung des Hühnerstalls. Die heutigen Gebäude mit Laden und Sanitäranlagen wurden damals als Ställe und Pferdeboxen genutzt.
Diese intensive landwirtschaftliche Nutzung führte im Laufe der Zeit zu einer starken Abnutzung der Gebäude, die zunehmend verfielen.

Eine Schule im Exil während des Ersten Weltkriegs
Im September 1918 erlebte das Schloss eine außergewöhnliche Episode. Aus Angst vor einer deutschen Invasion in der Nähe von Ypern schickte der Direktor des Collège Saint-Stanislas in Poperinge (Belgien) 119 Schüler und 28 Lehrernach Martragny.
Vor den Wirtschaftsgebäuden wurden Holzbaracken errichtet, während die Zimmer und Salons des Schlosses zu Klassenzimmern umfunktioniert wurden. Ein Jahr lang wurde das Schloss zu einer provisorischen Schule und kehrte so wieder zu neuem Leben zurück.
Der Zweite Weltkrieg: Besatzung und sichtbare Spuren
1939 wurde das Schloss kurzzeitig von britischen Truppen besetzt, die planten, ein Flugfeld anzulegen und dafür sogar Teile des Anwesens abzureißen. Dieses Vorhaben wurde jedoch mit dem Eintreffen der deutschen Truppen aufgegeben.
Die deutsche Armee beschlagnahmte anschließend das Schloss und nutzte es als Lazarett. Noch heute sind deutsche Graffiti auf einigen Zimmertüren sichtbar – stille, aber eindrucksvolle Spuren dieser Zeit.
Vom Bauernhof zum Campingplatz: eine neue Blütezeit
Nach dem Krieg erwarb 1956 die Familie Buon, Landwirte aus Creully, das Schloss. Sie nahmen die landwirtschaftliche Nutzung wieder auf und begannen zugleich mit umfangreichen Renovierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes: Böden, Decken und Treppen wurden erneuert.
1973 übernahm die Familie de St Victor das Anwesen und verwandelte den Park in einen Campingplatz, der Teil des Netzwerks Castel Camping & Caravaning wurde und rasch viele Gäste anzog.
Als sich Herr und Frau de St Victor 1989 zur Ruhe setzten, übernahm die Familie Buretel de Chassey das Château. Die Campinginfrastruktur musste umfassend modernisiert werden: Sanitäranlagen, Elektrik, Swimmingpool und Küche. 1993–1994 wurden die Scheunen zu einem Empfangssaal für den Winter sowie zu einer Bar und einem Restaurant für die Sommersaison umgebaut.
Ein lebendiges Erbe im Bessin
Heute bietet das Château de Martragny verschiedene Unterkunftsformen: Campingstellplätze, Ferienwohnungen, Gästezimmer, Zeltlodges, sowie die Vermietung von Salons und Empfangsräumen.
Dank seiner idealen Lage lassen sich zahlreiche Highlights der Normandie entdecken: die Tapisserie von Bayeux, die Landungsstrände, Arromanches, Omaha Beach, Caen, Deauville oder sogar der Mont-Saint-Michel. Das Anwesen empfängt Camper, Familien, Hochzeiten, private Feiern und festliche Abende.
Mehr als ein Familienbesitz ist das Château de Martragny ein lebendiger Teil des Kulturerbes des Bessin, bewahrt durch die Leidenschaft und Arbeit vieler Generationen. Ein Ort, der die Jahrhunderte überdauert hat, ohne seine Seele zu verlieren – und der seinen Gästen bis heute einen seltenen Luxus schenkt: Zeit, Leichtigkeit und ein Gefühl von Unbeschwertheit.



